Prof. Dr. Andreas Dix (Institut für Geographie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

"Platz an der Sonne" und "Innere Kolonisation". Über Denkfiguren des Kolonialen und ihr langes Nachwirken.

Montag, 24.06.2019 um 18:30 im Hörsaal C, Kochstraße 4, Eingang Hindenburgstraße

Eintritt:
FGG-Mitglieder: frei
Nichtmitglieder: 3,00 Euro, Studierende: 1,50 Euro
Schulklassen nach Anmeldung - frei.

Zusammenfassung:

Über die Erforschung des Prozesses der europäischen Kolonisation weiter Teile der Welt rückt oft die Tatsache in den Hintergrund, dass Denkfiguren des Kolonialen als Argumente in innenpolitischen Fragen bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine konkrete Rolle spielten. Zu fragen ist, in welchen Politikfeldern diese Ideen vor allem für die Durchsetzung politischer Ziele (Großmacht-, Ressourcenansprüche, Veränderungen sozialer und ethnischer Strukturen) diskutiert und umgesetzt wurden. Der Beitrag versucht einen systematisierenden Vergleich und schließlich eine Analyse, in welcher Weise geographische Forschung und geographisches Wissen in diesen Politikfeldern genutzt und zur Anwendung kamen. Hierzu gehören hierarchisierende Gesellschaftsmodelle oder hegemoniale Machtansprüche genauso wie geodeterministische Perspektiven. Es ist zu fragen, inwieweit der Zugriff auf Bevölkerung und Boden politischen Zielen untergeordnet und auch durchgesetzt wurde. Am Beispiel einiger konkreter Gebiete mit deutschem Bezug (Kolonien in Afrika, Provinz Posen-Westpreußen, sog. „Land Ober Ost“, sog. „Neuer Deutscher Osten“, Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone versus Verbesserung der Agrarstruktur in den Westzonen nach dem Zweiten Weltkrieg) sollen sowohl inhaltliche wie personelle und institutionelle Kontinuitäten besonders in der geographischen Forschung herausgearbeitet und gefragt werden, inwieweit diese Denkfiguren heute noch präsent sind.

Foto: Ausschnitt aus: Paul Langhans, Thätigkeit der Ansiedelungskommission für die Provinzen Westpreussen und Posen 1886-1896. 1896