Prof. Dr. Antje Schlottmann (Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt a. M.)

Geographiegeschichte(n) erzählen. Perspektiven für die „post-Gegenwart“.

Montag, 15.07.2019 um 18:30 im Hörsaal C, Kochstraße 4, Eingang Hindenburgstraße

Eintritt:
FGG-Mitglieder: frei
Nichtmitglieder: 3,00 Euro, Studierende: 1,50 Euro
Schulklassen nach Anmeldung - frei.

Die Geschichte der Geographie könnte mit der Etablierung des Faches an der Hochschule beginnen. Sie könnte auch von der ersten Nennung des disziplinären Begriffs aus starten. Sie könnte eine Erzählung sein darüber, warum es so kam, wie es kommen musste und warum die Geographie heute so ist, wie sie ist. Doch gerade die neueren Paradigmen der Humangeographie, also Stimmen aus dem Fach selbst, lassen eine solche Erzählung kaum noch zu. Im Zuge von Post-Strukturalismus, Post-Kolonialismus, Post-Development, Post-Euro- und Post-Androzentrismus stellen sich Anforderungen, denen gerecht zu werden die Erzähler*innen in Dilemmas und Widersprüche, wenn nicht zum Scheitern bringen. Wenn Geographie eine Praxis und noch dazu perspektivisch ist, was gehört dann dazu? Wenn Bild- und Sprachquellen nicht entsprechend ihrer Zeit und objektiv rekonstruiert werden können, wie lässt sich die angelegte zeitgenössische Perspektive, aus der betrachtet und immer implizit auch bewertet wird, offenlegen? Und wie sollen sich die Erzähler*innen vor den an jeder Ecke lauernden Gender-, Positivismus- oder Eurozentrismusfallen wappnen?

Der Vortrag skizziert diese Herausforderungen anhand von Beispielen, erzählt vom Scheitern an den eigenen Ansprüchen und Verstrickungen, zeigt aber auch neue Einblicke, die sich daraus ergeben, und stellt Wege einer kritisch-rekonstruktiven Geschichtsschreibung zur Diskussion.